Alles zu seiner Zeit

Das neue Jahr ist nun nicht ganz einen Monat alt, da ist die Frage erlaubt, ob Sie sich noch an Ihre guten Vorsätze erinnern, die Sie sich für 2020 vorgenommen haben?

Denn mit den (guten) Vorsätzen ist es so eine Sache: Sind diese wirklich gut für uns? Oder sind wir vielleicht schon innerhalb der ersten Tage und Wochen des neuen Jahres so genervt, gestresst oder deprimiert von diesen, dass wir alle über Bord werfen?

Oft liegt es daran, dass wir mit uns viel zu streng sind bzw. alles auf einmal wollen, sozusagen von Null auf Hundert in unter fünf Sekunden. Doch nur die wenigsten von uns sind eben der Porsche, Ferrari oder Formel 1-Bolide. Ich habe gemerkt, dass mir ein stetiges Steigern der Vorsätze besser bekommt als die Radikalkur. Denn die halte ich nur eine kurze Zeitspanne durch. Sie würden ja auch nicht mit einer Marathondistanz starten, wenn Sie beschließen, dass Sie mit dem Laufen beginnen wollen. Im Prinzip ist es ein stetiges Steigern der Konditionierung, um voranzukommen.

Oder wie der Volksmund es ausdrücken würde: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Stellen Sie sich vor, dass das Eichhörnchen sich vorgenommen hätte, alle Vorräte für den kommenden Winter bis Ende April zu sammeln. Es würde dem Burnout anheimfallen und sich freiwillig vor das nächste e-Bike werfen. Da ist es gut, dass es seinem Instinkt vertrauen kann und Mutter Natur es so eingerichtet hat, dass sein Futter über den gesamten Sommer und Herbst sammeln kann.

In der Bibel steht im dritten Kapitel des Buches Prediger (Kohelet) die Überschrift: Alles hat seine Zeit. Wir Menschen können vieles beeinflussen, im positiven wie auch negativen Sinne. Doch den Lauf der Zeit können wir nicht manipulieren. Dies hat der Schöpfer der Erde so eingerichtet. Daran können wir nichts ändern und das ist auch gut so.

Und es war sicherlich nicht im Sinne des Erfinders, der die Idee mit den (guten) Vorsätzen hatte, dass diese uns – zu unserem sowieso schon stresserfüllten Alltag – in den Burnout treiben. Machen Sie es wie das Eichhörnchen, das seinem Instinkt folgt. Gott hat Ihnen Ihren Verstand gegeben, damit Sie diesen nutzen.

Wie wäre es mit dem Vorsatz sich von seinen guten Vorsätzen nicht stressen zu lassen? Ich wünsche Ihnen, dass Sie zumindest diesen einhalten können – alles zu seiner Zeit!

Diakon Sven März

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