"Verschobene Zeit?"

„Verschobene Zeit!?“ Nicht selten wurde ich in der letzten Zeit gefragt, welcher Tag eigentlich heute ist. Welchen Monat haben wir? Was für eine Jahreszeit haben wir?

Unabhängig von der Tatsache, dass die letzten beiden Monate im Vergleich zu den letzten Jahren kälter waren und wir 2021 ein recht verregnetes und kühles Frühjahr erlebt haben. Vielmehr habe ich eher das Gefühl, da aufgrund der Corona-Pandemie und den damit vielen abgesagten „Traditionen“ und gesetzten Ereignisse im Jahr eine gewisse Orientierungshilfe fehlt.

Ostermontag war ein „normaler“ Montag – die Tage davor, für mich als Katholik und Christ eigentlich ein „Marathonlauf“ an Gottesdiensten und Spirituellen Angeboten und Veranstaltungen, aber 2021 diesmal ganz entspannt, kaum auffallend und fast vergessen.

„Vergessen“ hab ich Pfingsten, ganz ehrlich, da fiel es mir am Sonntagnachmittag auf, dass eigentlich Pfingstsonntag ist, vom Pfingstmontag ganz zu schweigen. Bei mir im Ort ist an Pfingstmontag eigentlich immer Krämermarkt und Straßenfest – dieses Jahr gar nicht, und es war beängstigend, nichts los, kaum Menschen unterwegs und ganz besonders ungewohnt – die Stille im Ort.

Und die beiden Donnerstags-Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. Kaum aufgefallen, der erst, weil danach durch den „Brückentag“ ein verlängertes Wochenende erlebt werden konnte, genutzt um zu Hause zu „werkeln“ da die Reisemöglichkeiten ja auch noch eingeschränkt waren. Fronleichnam war da schon anders – hat meiner Einschätzung nach viel damit zu tun, dass es in Oeffingen nach dem Gottesdienst zwar keine Prozession gab, jedoch die Blumenteppiche und Altäre trotzdem gelegt und aufgebaut wurden. Etwas „Normalität“ wie aus der Zeit vor Corona bekannt, tat gut und hat mir persönlich geholfen, nicht einen Donnerstag wie die 52 anderen im Jahr zu erleben, sondern etwas ganz Besonderes. Ich freu mich, wenn wir aufgrund der ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, nun auch die Erfolge verzeichnen können, indem die Zahlen nach unten und die Öffnungsschritte voran gehen. Vielleicht erreichen wir ja bald mal wieder „Normalität“ wie vor Corona. Und mit dieser Normalität auch wieder ein Zeitgefühl für uns und das Jahr. Wem ist bewusst, dass am 21. dieses Monats Sonnwende ist? Ende diesen Monat, das Jahr 2021 bereits zur Hälfte vorüber? Und in 198 Tage Heilig Abend?

Ich bin guter Dinge, dass wir sehr bald wieder dazu kommen, die Zeit selbst richtig einschätzen zu können und es dann nur noch eine „Zeitrechnung vor-, während und nach Corona“ geben wird. Machen sie es gut, bleiben sie gesund und mit Gottes Segen wünsche ich Ihnen Allen eine gute Zeit.

Achim Kuhn, Jugendreferent in der katholischen Seelsorgeeinheit Fellbach

Das aktuelle Wort zum Sonntag sowie alle älteren Beiträge sind auch im Fellbacher Stadtanzeiger und dessen Archiv zu finden.