Polen ist eine Reise wert

Vom 21. - 29.6.2018 wagten 43 interessierte Teilnehmer eine 9 tägige Busreise in das östliche Nachbarland Polen, um sich ein eigenes Bild über dieses Land zu machen.

Was weiß man eigentlich schon über dieses Land, das doch so nah an unseres grenzt?

Man weiß, dass Polen schon immer ein Spielball der Großmächte Rußland, Schweden und Deutschland war und oft unter diesen Ländern aufgeteilt war und sehr gelitten hat. Man kennt Städte wie Warschau, Krakau, Breslau, Kattowitz und andere.

Und man weiß von den Juden, die in Ghettos leben mußten, von Kzs in Auschwitz und Birkenau. Aber sonst?

Bekannte Persönlichkeiten sind Chopin, Kopernikus, Marie Curie, Lewandowski, Papst Johannes Paul II, Kamil Stoch usw.

Alle waren gespannt, was sie erwartet in diesem ehemaligen kommunistischen und nun zur EU gehörenden Land, und sie erlebten zum Teil anstrengende, informative und ereignisreiche Tage.

Etwas anstrengend waren die zum Teil recht langen Busfahrten, besonders am 1.Tag von Fellbach bis nach Jelenia Gora (12 Std.), später nach Krakau und danach nach Breslau und Görlitz, sowie die Rückfahrt (10Std.).

Allerdings verstanden es die Reiseleiter Siegfried Okker und Michael Franz immer wieder die Mitreisenden durch Lieder, Geschichten und Späße bei Laune zu halten und so die Fahrzeiten unterhaltsamer zu gestalten.

Entschädigt wurden alle aber durch die vorzüglichen Unterkünfte in Jelenia Gora (2 Nächte in einem Schlosshotel), in Krakau in einem 4 Sternehotel (3 Nächte), in Breslau ebenfalls in einem 4 Sternehotel (2 Nächte) und in Görlitz (1 Nacht).

In diesen Häusern wurden sie auch vorzüglich mit Essen und Trinken vesorgt, besonders oft mit Rouladen, Kartoffelpürree, Kraut und polnischen Klössen. Manche hätten sich etwas mehr Abwechslung gewünscht und sehnten sich gleich wieder nach Rostbraten, Zwiebel, Spätzle und Sauce.

Aber dafür konnte man sich an den üppigen Frühstücksbuffets in allen Häusern die Teller gut füllen und so für gutes Wetter sorgen, denn die Polen fragen gleich, wenn das Wetter nicht so toll ist: „Hast du schlecht gefrühstück?“

Informativ waren die Führungen in den Großstädten Krakau, Breslau und Görlitz.

Krakau ist ja bekannt für seinen riesigen Platz im Zentrum mit den Tuchhallen.

Und natürlich gehörte auch ein Besuch der KZ Gedenkstätte in Auschwitz dazu, das war echt für uns Deutsche besonders beklemmend.

Krakau hat heute wieder ein lebendiges Judenviertel. Man erfuhr bei einer Führung durch dieses Viertel und durch eine Synagoge, dass die Juden über 4000 Vorschriften haben, die in ihrer Tora stehen und nach denen sie leben sollen, doch das ist fast nicht möglich für die „normalen“ Juden, nur für die Orthoxen oder die ultraorthodoxen halten sich strikt daran.

Lockerer war dafür ein Besuch in einem recht altmodisch eingerichteten jüdischen Restaurant, in dem neben koscherem Essen auch lebhafte Klecmermusik geboten wurde.

Nächste Großstadt war die alte schlesische Hauptstadt Breslau, die heute Wrozlaw (sprich Wrozwaw) heißt und wieder vollständig aufgebaut ist. Wer diese Stadt vor 15 Jahren gesehen hat, glaubt seinen Augen nicht. Keine Spur mehr von Kriegsschäden, alles neu und aufgeräumt. Toll das schöne Rathaus und die über 100 jährige Jahrhunderthalle (natürlich eines der ersten Gebäude auf der UNESCO Weltkulturerbeliste).

Wie Phönix aus der Asche wirkte auch die deutsche Grenzstadt Görlitz, wo die erhaltenen Häuserzeilen dank eines großzügigen Mäzenz so restauriert wurden, dass sie wie neu wirkten.

Und eine Überraschung gab es in dieser Stadt für die evangelische Besuchergruppe in der St.Peter- und Paulkirche. Hier standen mehrere prächtige Beichtstühle – in einer evangelischen Kirche! Beichte in einer evangelischen Kirche? Und wie! Nicht nur die normale Beichte der Katholiken, wo die Sünder ihre Sünden dem Pfarrer ins Ohr sprechen, sondern kniend direkt ins Auge des Pastors. Also wenn schon Beichte, dann aber richtig.

Überhaupt wurden bei dieser Rundreise überall die großen und auch die kleineren Kirchen besichtigt. Besonders eindrucksvoll waren die im norwegischen Stil gebaute StabkircheWang in Krummhübel oder die in einem Jahr und nur aus Holz erbaute evangelische Friedenskirche in Schweidnitz, die 7000 Besuchern Platz bietet, sowie die katholische Kirche in Tschenstochau mit der „Schwarzen Madonna“. Hier pilgern die Polen zu Tausenden jedes Jahr auf den „Hl.Berg“ und man bekommt einen Eindruck vom tiefen Glauben der katholischen Polen. Nicht nur hier sondern auch im anderen Wallfahrtsort St. Annaberg. Und sie verehren ihre Heiligen, besonders die Gottesmutter Maria aber auch ihren früheren Papst Johannes Paul II.

An vielen Stellen sah man Statuen dieses Papstes, selbst in der Salzgrube von Wieliliczka - in über 300m Tiefe.

Alles in allem war es eine überaus interessante und aufschlussreiche Reise in dieses unbekannte Nachbarland, das nachhaltige Eindrücke hinterlassen hat, auch wenn man große Probleme mit der Sprache hatte und bis auf „Dzien Dobry“ (Guten Tag) nichts verstand. Aber vielleicht lockt Rübezahl den Einen oder Anderen doch noch einmal in dieses Land solange es noch den polnischen Sloty gibt und nicht den teuren Euro, denn die Polen befürchten nicht zu Unrecht, dass dann alles teurer wird.

Noch ist Polen aber um Einiges billiger als Deutschland und ein weiterer Grund, dieses Land zu besuchen.

Auf jeden Fall war diese Reise nach Polen höchst interessant und abwechslungsreich.