„Luther klingt klasse!“, singen 7.000 Kinder im Chor

Fellbacher Kinderchor Taubenschlag mit dabei beim Musikprojekt in der Porsche-Arena

16. Juli 2017

Insgesamt 7.000 Kinder haben sich am Sonntag, 16. Juli in der Stuttgarter Porsche-Arena mit zwölf gemeinsam vorgetragenen Liedern am Musikprojekt „Luther klingt klasse“ beteiligt. Das Musikereignis stieß auf unerwartet große Resonanz: Für die Teilnahme hatten sich 5.500 Schulkinder der Klassenstufen 1 bis 6 sowie 50 Kinderchöre mit rund 1.000 Kindern angemeldet. Anlass genug, die Aufführung auf zwei Termine – einer am Sonntagvormittag, der andere am -nachmittag – mit je 3.500 Sängerinnen und Sängern auszuweiten. Mittendrin in der Nachmittagsvorstellung: Die begeisterten Kinder des Kinderchors Taubenschlag aus Fellbach unter der Leitung von Annedore Greiner.

Musikalisch begleitet wurde die singende Kinderschar, die aus Platzgründen auch auf die Ränge der Porsche-Arena verteilt war, von einer Band und von Blechbläserchören des Evangelischen Jugendwerks. Prominente Unterstützung erhielten die Schauspieler und Sänger darüber hinaus durch die fünf Profi-Sänger der A-capella-Formation „DIE FÜENF“, die die Aufführung mit unverkennbar schwäbischem Zungenschlag bereicherten. Sich selbst und den Zuhörern, darunter Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July, haben die Kinder damit ein unvergessliches Chorerlebnis bereitet.

Förmlich mitgerissen wurden die Kinder beim rockig vorgetragenen Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ oder beim Paul-Gerhardt-Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, aber auch bei säkularen und frommen Schlagern der Nachkriegszeit wie dem ABBA-Song „Thank you for the music“ oder dem Kirchentagslied „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“. Und ganz zum Schluss erklang als Zugabe nochmals das heimliche Lieblingslied der Taubenschlag-Kinder: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehn. Gottes Segen soll sie begleiten, wenn sie ihre Wege gehen.“

Das Musikprojekt bildete den Höhepunkt des diesjährigen Landeskinderchortags der Evangelischen Landeskirche, der das Motto des Reformationsjubiläums aufgriff. Dramaturgisch waren die zwölf Lieder des Musikprojekts „Luther klingt klasse“ eingebunden in die eigens geschriebene Geschichte „Der mysteriöse Tintenfleck“. Sinnigerweise wurde die Handlung vor dem überdimensionalen Bühnenbild der Wartburg aufgeführt, auf der Martin Luther in den Jahren 1521 – 1522 die Bibel ins Deutsche übersetzt hatte. Schauspielerisch umgesetzt wurde die schwungvolle Story von Kindern und Jugendlichen der Jugendkantorei Stuttgart-Vaihingen.

Zu Recht wurde mit dem Musikprojekt die Bedeutung der Kirchenmusik für die Wirkungsgeschichte der Reformation veranschaulicht. Marin Luther hatte durch die sprachlich eingängige Übersetzung lateinischer Liedtexte ins Deutsche, durch die Übertragung populärer weltlicher Melodien für geistliche Zwecke und durch sein Vorbild als Vater einer singenden Familie Grundlagen geschaffen, die für die evangelische Kirchenmusik der nachfolgenden Jahrhunderte prägend waren. Die Reformation ohne eines ihrer Herzstücke, die Kirchenmusik? „Undenkbar!“ so die gesungene und gespielte Antwort in der Porsche-Arena.

Organisatorisch verbunden war der Landeskinderchortag mit dem dreitägigen Landeskirchenmusikfest unter dem Motto „… da klingt Freiheit“, der den Teilnehmern in Stuttgart zahlreiche Höhepunkte bot, darunter viele hochkarätige Konzerte. Als „einzigartig in Form und Größe“ hatte Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke das Fest angekündigt, das ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums stand. Das deckt sich genau mit den Erfahrungen aus der Porsche-Arena, an die sich die Fellbacher Taubenschlag-Kinder samt ihren Eltern und Begleitern gerne zurückerinnern.

Johannes Berner