Leben retten kann jeder!

Pfarrerin Angelika Hammer, Schmiden

„Lieber eine Rippe brechen, als gar nichts machen!“ - Diese Überschrift eines Zeitungsartikels hat mich betroffen gemacht. „Recht hat er…“, denke ich und mir kommt ein kürzlich ausgestrahlter Fernsehbericht über die „Erste Hilfe in Notsituationen“ in den Sinn, der mich zum Nachdenken gebracht hat.

Die nüchterne Bilanz dieses Berichts lautet: Nur 15 Prozent der Umstehenden tun aktiv etwas, wenn in ihrer Nähe ein Mensch zusammenbricht. Dabei sind die ersten Minuten die Wichtigsten, um einen Menschen mit Herzstillstand am Leben zu erhalten. Trotzdem haben viele Menschen Angst, etwas falsch zu machen und lassen kostbare Zeit verstreichen.

Ein weiterer Zeitungsbericht hat mir eine neue Perspektive geschenkt: In ihm steht ein Neunjähriger im Mittelpunkt. Er findet seinen zweijährigen Bruder leblos im Schwimmbecken, zieht ihn heraus, ruft die Feuerwehr an und beginnt mit der Herzmassage und Beatmung. Ein Sanitäter erklärt ihm am Telefon, was er machen muss. Als der Notarzt eintrifft, atmet der kleine Bruder schon wieder. Ich bewundere den Jungen, wie er so selbstverständlich und pragmatisch geholfen hat. Sein Beispiel vor Augen stelle ich mir jetzt öfters vor, was ich spontan tun würde, wenn jemand neben mir umfallen würde. Und ich habe fest vor einen neuen „Erste-Hilfe-Kurs“ zu besuchen. Wenn das „Leben retten“ so einfach sein kann!

Und auch eine biblische Überlieferung ermutigt mich. Sie ist bekannt unter der Überschrift „Der barmherzige Samariter“ und steht im 10. Kapitel des Lukasevangeliums. Der Samariter kümmert sich hier um einen überfallenen Menschen, der schwer verletzt und hilflos am Boden liegt. Er bringt ihn mit seinem Reittier zur nächsten Herberge und kümmert sich darum, dass dem Mann dort geholfen wird. Dies geschieht ganz selbstverständlich. Und erst dann zieht der Samariter wieder seinen Weg.

Pfarrerin Angelika Hammer, evangelische Kirche Schmiden

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