Fussball und Religion

Unbestritten: Es ist schon ein erhebendes Gefühl, dem Sieg seiner Mannschaft entgegenzufiebern. Noch dazu im weiten Rund des „Fußballtempels“ Daimler-Benz-Arena, so nah vor dem Aufstieg in die 1. Bundesliga!. Kaum einer wird sich der faszinierenden Atmosphäre eines erfolgreichen Spieles inmitten von 50 000 Fans entziehen wollen. 3:0 gegen Erzgebirge Aue, auch ein Team, das sich wacker geschlagen hätte, wären da nicht „Lichtgestalten“ wie Simon Terodde und Alexandru Maxim im Verbund mit den anderen, die das wesentliche Quäntchen Können und Glück auf ihrer Seite hatten. Dazu die mächtigen Sprechgesänge und Chöre aus der Cannstatter Kurve, die vorantrieben, mit einstudierten Abläufen und festgeprägter „Liturgie“ (Ordnung). Das Entrollen des Vereinswappens, die Farbenspiele der Tribüne in rot, weiß und schwarz, die Ermunterung: „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid!“ Und alle erheben sich, nicht anders wie in der Kirche beim Gottesdienst zum Gebet.

 

Solche Erlebnisse faszinieren, ergreifen, vorwiegend im Erfolgsfall! - Fußball wird deshalb von manchen als „Ersatzreligion“ bezeichnet. In der Tat verfügt das Fußballgeschehen über eine Menge von religiösen Elementen, nicht nur die vorbildliche Treue der Stuttgarter Fans gehört dazu. Doch festzuhalten ist, dass der Glaube nach christlichem Verständnis tiefer greift, an den Grund einer menschlichen Existenz heranreicht. Er ist nicht irritierbar durch Erfolge oder Misserfolge, er verliert nicht seinen Wert und seine Tragkraft, sollten die Massen in den Gottesdiensten ausbleiben. Er behält seine Bedeutsamkeit auch dann noch für jede/n einzelne/n bei, sollte er und sie in Turbulenzen geraten, sei es, die entscheidenden Tore bleiben aus, oder der kontinuierliche Aufstieg auf der Karriereleiter scheitert, aus beeinflussbaren oder nicht zu beeinflussenden Gründen. Der Mann aus Nazareth, der am See Genezareth seinen Jüngern von der Liebe Gottes gepredigt hat, ist Garant dafür. In seiner Gegenwart dürfen wir uns angenommen fühlen, so wie wir sind, ohne Leistung erbringen zu müssen, mit allen Macken und Kanten, natürlich auch mit unseren Stärken, über die er sich sicherlich von Herzen freut. Übrigens gilt das auch für die Fußballprofis. So wünsche ich dem VFB (wie könnte ich es auch anders) seinen Aufstieg in die Belletage der Bundesliga. Gott schenke uns aber in allem ein getrostes Herz und einen Glauben, der darüber hinaus reicht.   

Pfarrer Bernd Friedrich Schmiden

Wort zum Sonntag

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