Wort zum Sonntag

Auf den Plakaten der Fastenaktion „Sieben-Wochen-ohne“ der Evangelischen Kirche steht: „Zeig dich! – Sieben Wochen ohne Kneifen!“ Dazu ein Vater mit seinem Sohn, beide mit notdürftig zusammengenähten Heldenkostümen und mit nach oben gereckter Faust. Die beiden zeigen sich und kneifen nicht, auch wenn es lustig, manche sagen vielleicht peinlich, aussieht. In der Fasnet wird die Verkleidung gefeiert und bewundert. Am Aschermittwoch stellt sich für manche  womöglich die Frage: Will ich auf meine  Verkleidung verzichten? Und war das  nicht auch schon lange eine Verkleidung, die ich vor Fasching getragen habe? Die „Ich-krieg-das-schon-hin-Verkleidung“, die „Ist-mir-doch-egal-Verkleidung“ oder die „Lass-mich-in-Ruhe-Verkleidung“.

Zeig dich! Ist keine Aufforderung, der man so einfach nachkommen könnte. Immerhin hat sich jeder sein Selbstbild zurechtgezimmert, in den Sozialen Medien lernen wir, dass es wichtig ist, dieses Selbstbild auch durchzuhalten und zu stärken, damit uns niemand einen Strick daraus drehen kann.

Aber manchmal ist es einfach nötig, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist. Manchmal muss man sich dann auch richtig albern zeigen, weil einem so zu Mute ist. Ein anderes Mal müssen die Probleme schonungslos angesprochen und die Unzufriedenheiten benannt werden, anstatt sie unter den Tisch zu kehren. Dass das nicht einfach ist und doch heilsam, zeigt eine Geschichte aus der Bibel. Jakob, der sich mit seinem Bruder Esau zerstritten hat und nun kurz davorsteht, sich dem Bruder zu zeigen und sich mit ihm zu versöhnen, ringt mit Gott darüber. Soll er diesen Weg weitergehen oder nicht? Jakob macht es sich nicht leicht und hält sein Gegenüber fest, selbst als er merkt, dass er schwer an der Hüfte verwundet ist: „Ich lasse dich erst los, wenn Du mich segnest!“ Er segnet ihn – und Jakob geht seinen Weg. Für mich heißt das: Gott gibt uns Mut, uns zu zeigen, wie wir sind: Stark und groß, aber auch klein und verletzlich. Und sich klein und verletzlich zu zeigen, dazu gehört Mut. Und seine Stärke genau im richtigen Moment zu zeigen und einzusetzen, zeugt von Fingerspitzengefühl.

Die Fastenzeit ermutigt mich, auf das zu vertrauen, was mir sowieso schon geschenkt wurde, als Fähigkeit oder Möglichkeit, die ich in mir trage. Und der Segen Gottes gibt mir den Mut das auch zu zeigen und nicht zu kneifen.

Pfarrer Markus Eckert, Evangelische Kirche Oeffingen

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