40 % der Zeit, die wir miteinander reden, reden wir über Personen, die nicht anwesend sind. Das sagt zumindest eine Studie. Ist ja auch kein Problem. Ein Problem ist es aber, wenn über die Nichtanwesenden schlecht geredet, also gelästert wird. Lästern ist ein universelles wie zeitloses Phänomen. Es scheint wohl zum Menschsein dazuzugehören. Männer wie Frauen tun es, Alt und Jung lästert. Lästern gilt als eine Art Psychohygiene. Es können ohne direkte Konfrontation Aggressionen abgebaut werden. Lästern, so heißt es,  soll verbinden und verbünden, indem sich die Lästernden gemeinsam abgrenzen. Womit wir aber auch schon bei der dunklen Seite des Lästerns sind. Derjenige, über den gelästert wird, wird nicht nur in ein schlechtes Licht gestellt, er hat auch keine Chance, sich gegen das Gesagte zu wehren. „Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen und das macht den Menschen unrein.“ (Mt 15, 18) Das sagt Jesus.  Das kann ganz schön zum Nachdenken bringen. Jesus hatte offensichtlich etwas gegen das verletzende Gerede über andere. Er wollte, dass die Menschen in einem guten Geist miteinander umgehen. Ich habe mir vorgenommen, daran regelmäßig zu denken, auch und gerade beim Reden. Einer meiner Freunde berichtete mir vor einiger Zeit von einem Selbstversuch: Immer wenn er über einen anderen Menschen redete, der nicht anwesend ist, versuchte dieser Freund, so über den anderen zu reden, wie wenn er da wäre. Ein interessanter Versuch, der bestimmt gar nicht so einfach ist.

Pfarrer Jens-Uwe Schwab, Katholische Kirche in Fellbach

 

Das aktuelle Wort zum Sonntag sowie alle älteren Beiträge sind auch im Fellbacher Stadtanzeiger und dessen Archiv zu finden.